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2019

KOLLEKTION Eine performative Recherche

Im Rahmen von habenundbrauchen haben wir uns mit Bekleidung Garn oder Strickwolle performativ auseinandergesetzt. Der Einsatz dieser Materialien schafft eine über das Abstrakte hinausgehende Verbindung zur Textilfabrik Altmann und damit der ursprünglichen Funktion des Gebäudes – dem Einsatz von Garn für Produktion.

Mit: Cosima Baum, Angela Besunk, Amadeus Kronheim, Ilse Reiser, Johanna Tatzgern, Steffi  Wimmer

Dank an: Mariella Greil, Maria Holter, Susanna Rade, Oleg Soulimenko, Alice Weber

Kickout Haben und Brauchen
19.6.2019 /  19 Uhr
Künstlerhaus Wien
Stolberggasse 26, 5. Bezirk

Das Künstlerhaus 1050 in der Altmann’schen Textilfabrik – ein historischer Abriss:

Das Gebäudeensemble Siebenbrunnengasse-Zentagasse-Stolberggassse, welches nun Zwischennutzungsstandort des Künstlerhauses ist, wurde in seiner heutigen Erscheinungsform in verschiedenen Baustufen von 1914 bis 1948 im Auftrag des Bauherrn Bernhard Altmann von zwei damaligen Mitgliedern des Künstlerhauses, der Architektengemeinschaft Heinrich Schmid und Hermann Aichinger, errichtet und beherbergte die berühmte Altmann’sche Textilfabrik.

Bernhard Altmann (23.12. 1888 Przemysl/2.12.1969 Zürich) war 1914 in die Siebenbrunnengasse 19-21 eingezogen, wo er 1915 mit einem Garnhandel startete. 1919 errichtete er eine Strickwarenfabrik in der Stolberggasse, die wenig später bereits 1000 Menschen Arbeit bot. 1923 wurde der Erweiterungsbau im Hof errichtet. 1926 wurde die Produktion in Moskau aufgenommen, 1932 in Paris. Sofort nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde sein Bruder Fritz Altmann, verehelicht mit Maria, geborene Bloch-Bauer, in Dachau inhaftiert und Bernhard Altmann – der sich bereits in Paris befand – als Lösegeld für seinen Bruder die Fabrik und das gesamte Vermögen abgepresst, einschließlich einer bedeutenden Kunstsammlung mit vielen Gemälden von Albin Egger-Lienz. Ein Depot der Sammlung befand sich im Fabrikgebäude in der Siebenbrunnengasse.

Über Paris und London gelang ihm die Flucht in die USA, wo ihm innerhalb weniger Jahre mit der ersten Kaschmirproduktion auf amerikanischem Boden ein fulminanter Neustart gelang. 1951 wurde ein Drittel der gesamten US-Produktion an Wollwaren aus Kaschmir von Altmann erzeugt. Seine in Kalifornien ansässige Schwägerin Maria Altmann, geborene Bloch-Bauer, besorgte den Vertrieb und eroberte mit den Produkten auch Hollywood.

Bereits 1945 nahm Altmann die Produktion in der restituierten Fabrik in Margareten wieder auf. 1947 konnten schon wieder 500 Arbeiter vollbeschäftigt werden. 1948 formulierte der Entrepreneur klassischen Zuschnitts seine Vision davon, „der Wiener Geschmacksindustrie auf vielen Märkten wieder zu Weltgeltung zu verhelfen“. Wie die Erfolgsstory seiner Produkte zeigt, ist ihm das auch bis zu seinem Tod 1969 gelungen. Im Jahr darauf musste das Unternehmen den Ausgleich anmelden, 1974 wurde die Produktion von der Vorarlberger Ganahl-Gruppe übernommen. Heutige Eigentümerin der Immobilie ist die S IMMO AG. (Aus: Presseaussendung des Künstlerhauses anlässlich seines temporären Umzugs nach Wien-Margareten im September 2016)

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